Fotografie & Technik

Ingo Kirschnereit fotografiert überwiegend mit Nikon Spiegelreflex-Kameras (abgekürzt "SLR's"). Der unbestreitbare Vorteil des Nikon Kamerasystems ist seine weltweite Verbreitung. Gerade in der Reisefotografie ist es ein gewaltiger Vorteil, ein bestimmtes Objektiv z.B. in Singapur nachkaufen zu können oder die Möglichkeit zu haben, sich das Balgengerät eines spanischen Kollegen auszuleihen. Anschlüsse an Mikroskope und Sternenteleskope verwenden das Nikon-Bajonett. Es gibt kaum einen fotografischen Einsatz, für den nicht das passende Spezial-Equipment erhältlich ist. Dies können andere Kamerasysteme kaum bieten.

An Gehäusen und Objektiven kommt nur Profi-Qualität ohne "Piep und Blink - Firlefanz" mit auf die Reise. Weniger wegen der optischen und technischen Qualitäten - die sind selbst bei günstigeren Modellen schon recht gut - als vielmehr wegen der mechanischen Tauglichkeit. Bei Reisen mit Rucksack, Kajak, Fahrrad oder Motorrad fallen Billigfabrikate schlichtweg auseinander.

Was ist besser: Analoge oder Digitale Fotografie?

Was ist besser: Hammer oder Säge? Das kann man so natürlich nicht beantworten; es kommt ganz auf den Einsatzzweck an. Ingo Kirschnereit fotografiert auf seinen Reisen mit beiden Systemen.

Analog:

Die analoge Fotografie hat sich seit gut 100 Jahren bewährt. Sie ist ausgereift und qualitativ auf höchstem Niveau. Nicht umsonst werden Kinofilme noch immer in analoger Technik gedreht. Ein normaler 50 ASA Diafilm mit seinen Silber-Halogenid-Kristallen hat eine Pixelauflösung, die bis auf die molekulare Ebene herabreicht. Dagegen ist jede Digital-Auflösung einfach nur traurig gering. Ein Kontrastumfang eines Diafilms (bis zu. 6000:1) ist digital bislang nicht erreicht.
Gerade in extremen Reise-Situationen wie großer Hitze, Kälte oder abseits jeglicher Zivilisation zeigen analoge Kameras ihre Stärken. Eine "Digitale" ohne Strom ist zu nichts zu gebrauchen. Mit mechanischen analogen Kameras ist das Fotografieren jedoch kein Problem, sofern man einen externen Belichtungsmesser verwendet. Für anspruchsvolle Dia- und Schwarz-Weiß- Fotografen ist das Zeitalter der analogen Fotografie noch lange nicht zu ende.

Digital:

Die Entwicklung in der digitalen Fotografie läuft rasend schnell - ebenso die Qualitätssprünge. Die Vorteile hochwertiger digitaler SLR-Kameras kann selbst der eingefleischte Analog-Fotograf nicht leugnen. Wer schon einmal am Stück einige tausend Dias entfusselt und gerahmt hat, weiß, dass man auf diese Arbeit gut und gerne verzichten würde.
In der digitalen Fotografie gibt es keine "Fusseln", sofern sie nicht direkt auf Chip oder Linse liegen. Und selbst diese lassen sich problemlos entfernen. Die Speichertechnik ist mittlerweile soweit fortgeschritten, das sich selbst die riesigen Datenmengen hochwertiger Bilder bequem verwalten lassen. Die größten Vorteile sind jedoch zweifellos die direkte Bildkontrolle und die individuelle ASA / ISO Empfindlichkeits-Einstellung für jedes Motiv.
Nachteilig sind die 100%ige Abhängigkeit von Stromversorgung, Kabelanschlüssen und leistungsfähigen Computern.

Beamer-Projektion:

Bisher war die Bildqualität von Beamern derart miserabel, dass in Sachen Projektionsqualität das analoge Dia außer Konkurenz stand. Ein mit Rastern behaftetes Bild in SVGA-Auflösung und einem Kontrast von 400:1 kam einer Beleidigung für das Auge gleich.
Jedoch rast auch hier die Entwicklung. Mit dem Aufkommen von Projektoren der D-ILA und LCOS - Technologie sowie SXGA+ Auflösungen sind Projektoren auf den Markt gekommen, die den Vergleich mit einer Dia-Projektion nicht zu scheuen brauchen. Anstatt 4 oder 6 Diaprojektoren mit umfangreicher Verkabelung und Steuertechnik aufzubauen, genügt ein einzelnes Gerät von den Ausmaßen eines Schuhkartons. Nachteilig ist allerdings der hohe Kaufpreis, der sich noch immer im Bereich eines guten Gebrauchtwagens bewegt (Stand 2006).

Gerätschaften:

Sowohl in der analogen als auch in der digitalen Fotografie schwört Ingo Kirschnereit auf eine Kombination von Spiegelreflex- und Kompakt-Kamera. Mit der SLR sind Aufnahmen von höchster Qualität möglich. Mit der kleinen Kompaktkamera kann man schnell auf Situationen reagieren, wobei Kompromisse in der Qualität in Kauf genommen werden müssen.

An Analog-Gehäusen sind Nikon FE und Nikon F4 sowie als "Kompakte" die Olympus "mju" mit Zeiss Tessar im Einsatz. An Digitalgehäusen kommt als SLR die "Fuji S3 pro" (12 Megapixel mit Nikon F-Bajonett) sowie die "Fuji Finepix A210" (4 Megapixel) mit auf Reisen. Besonders wichtig ist bei allen Kameras die Möglichkeit, sämtliche Automatiken abschalten zu können - um manuell zu fotografieren. Zudem wird konsequent auf eine einheitliche Stromversorgung mit Mignonzellen geachtet. Diese Batteriegröße gibt es auf der ganzen Welt.
 
Die Objektive: Das Bild wird vom Objektiv gemacht - nicht von der Kamera! Sie sind die wichtigsten Teile der ganzen Ausrüstung.
Die Objektive sind vorwiegend Festbrennweiten von 16 mm bis 300 mm und einer Lichtstärke von f 2,8. Muss stark auf das Gewicht geachtet werden, wie es etwa bei längeren Rucksack-Wanderungen der Fall ist, kommen auch Kombinationen lichtstarker Zoom-Objektive zum Einsatz (z.B. Sigma DG 20-40 mm / f 2,8 und Nikon ED 80 - 200 mm / f 2,8). Niemals werden jedoch "faule Kompromisse" verwendet. Sogenannte "Eierlegende-Wollmilch-Säue", die Weitwinkel und Telebereich miteinander kombinieren, haben in der ernsthaften Reisefotografie nichts verloren.
An Filtern kommt häufig das Pol-Filter, selten Verlaufs-Filter und nie Effekt-Filter zu Einsatz. (Der Weg zum Kitsch ist zu kurz...)

Filme & Speichermedien:

Fast schon ein Standard-Film unter den Reisefotografen ist der "Fujicrome Velvia". Dieser 50 ASA-Film überzeugt durch leuchtende Farben und sehr feine Körnigkeit. Für schwierige Lichtsituationen sind zudem 400 ASA "Provia" Filme dabei, die sich bei Bedarf bis 1600 ASA "pushen" lassen.

In der digitalen SLR steckt eine 4 GB große CF-Karte, auf der die Fotos im RAW-Format abgespeichert werden. Dieses Format ermöglicht eine spätere Umwandelung in voll bearbeitbare TIF-Dateien. Mit ca. 50 MB pro Bild sind diese Dateien ergiebig genug, um im Zweifelsfall wieder analoge KB-Dias ausbelichten zu können.
Unterwegs werden die Daten auf eine von zwei 40 GB "Image-Drives" kopiert und später per USB-Kabel in das heimische PC-Archiv übertragen.

Stativ:

Gemäß dem Spruch des alten Fotografen-Lehrers: "Geknipst wird aus der Hand, fotografiert wird vom Stativ aus", ist natürlich auch ein stabiles Stativ immer mit auf Reisen. Viele der interessantesten Fotografien sind "Available Light"- Aufnahmen, die sich ohne Stativ gar nicht realisieren ließen. Spielen Platz und Gewicht eine geringere Rolle, so kommt Stativ-Technik von Manfrotto zum Einsatz. Bei Gebirgswanderungen hat sich das Einbeinstativ "Sierra" von Leki bewährt. Es kombiniert Wanderstock und Stativ miteinander.

Unterwasser-Fotografie:

Für Unterwasseraufnahmen wird eine analoge "Sea & Sea Motomarine II" mit 21mm , 35mm, Makro-Vorsatzlinsen und externem TTL-Blitz eingesetzt. Sie zeichnet sich durch einfache Handhabung und professionelles Zubehör aus.

Zum Schluss:

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass ein Fotoapparat nur ein Werkzeug wie jedes andere  ist. Mit guten Werkzeugen arbeitet es sich natürlich besser als mit Schlechten. Ohne Kenntnis von Komposition und Bildgestaltung ist aber die beste Kamera nichts wert. Der Philosoph Arthur Schopenhauer hat einmal sinngemäß gesagt:
"Wenn ein Affe in ein Buch schaut, kann kein Gelehrter herausschauen." Mit Fotoapparaten verhält sich das nicht anders...